Ein bunter zweiter Festivaltag erwartete einen am gestrigen Samstag auf dem Schlammparadies am Vöttinger Weiher. Obwohl zwar endlich die langersehnte Regenpause eintrat und sich die Sonne ausnahmsweise auch mal wieder blicken ließ, fand man das Gelände so vor, wie man es am Vortag verlassen hatte. Wer gehofft hatte dass sich die Lage schlagartig verändert hatte, wurde eines besseren belehrt. Nachdem am Tag zuvor bereits die Seenbühne wegen des hohen Wasserpegels abgesagt werden musste, stand am Samstag gar die gesamte Stromversorgung des Festivals auf dem Spiel, nachdem der Grundwasserpegel immer weiter anstieg.
Dennoch wurde dieser zweite Festivaltag nun von etlichen Besuchern dazu genutzt ihre tags zuvor unter Regenjacken versteckten, nun aber präsentierfähigen, ausgefallenen Outfits vorzuführen. Nahtlose Übergänge zwischen Augenschmaus und Augenkrebs waren da garantiert.
Über das Wetter wurde schon viel zu viel geredet in sämtlichen Reviews diesen Jahres, deshalb sei nur gesagt: Es wurde besser, kein Regen!
Musikalisch wurde der Tag von den Lokalmatadoren
Rainman & Snaretom eingeleitet, die mit ihrem sensationellen „Deepa-cousti-clasH!“ wieder einmal abrockten so dass man sich nur noch fragt: Mensch oder Maschine?
Mit
Big Kahoona gings im wahrsten Sinne des Wortes künstlerisch weiter, denn neben dem mitreißendem Psychedelic Indie-Rock der Band wurde das Bühnenbild in Echtzeit von jenem Künstler gemalt, der auch das Cover für die Münchner Jungs gestaltete. Alles in Allem überzeugte die Show besonders durch clevere und erfrischend ausgefallene Arrangements, die ihnen bereits zum Titel „Münchner Band des Jahres“ verhalfen.
Sir Simon Battle ist mittlerweile nicht nur als Tomte-Keyboarder, sondern auch als Solokünstler mit seiner Band unterwegs. Die meist eher ruhig anmutenden Songs gehen leicht ins Ohr und leicht ins Bein, und so wurde fleißig mitgeshaked beim Mann mit dem roten Cap. Dessen vermeintliche Anhänger feierten mit eben jener Kopfbedeckung in Publikum mit, und selbst Simon schien überrascht und fragte: „Meint ihr das wirklich ernst?“. Wie sich später herausstellen sollte, war das Zusammentreffen der Kappenträger mit dem Berliner Songwriter rein zufällig – wenn das mal kein Schicksal ist.
Weiter ging’s mit einem weiteren Berliner Kindl,
Jens Friebe. Unterstützt von Drummer und Bassistin wurde der Gitarren-Elektro mit durchdachten deutschen Texten präsentiert. Nachdem bereits an alle Songtitel das Wort „Schlamm“ bei der Anmoderation angehängt wurde, stellte Jens dann noch treffend fest: „Ob das die beste Show ist die ich jemals gespielt habe weiß ich jetzt noch nicht, aber es ist definitiv die beste Show die ich beim Spielen jemals gesehen habe“. Gemeint war das spektakuläre Schlammcatchen vor der Bühne.
Ein erster krasser Stilwechsel erfolgte dann mit dem Auftritt von
Bratze, bei denen man zunächst kaum glauben mag, dass sie nur zu zweit auf der Bühne stehen. Harte Bässe und fetzende Beats wurden begleitet durch melodiöse Gitarrenriffs und durchdringende Texte. Das schien gut anzukommen, denn schlagartig füllte sich der Platz mit tanzwütigen Festivalbesuchern, und das zu Recht, denn es war schon ein ganz schönes Brett, was einem da von der Bühne entgegenkam.
Mit einer weiteren musikalischen 180°-Drehung ging es dann mit
Texta ab ins Hip Hop-Lager. Als adäquate Einstimmung auf den Headliner Blumentopf bewiesen die österreicher, dass auch in Wien feinster Hip Hop gestrickt wird. Neben vielseitigen und experimentellen Tracks wurde schließlich auch das Highlight „Kabinenparty“ gespielt, seit diesem Sommer sicherlich der bekannteste Song der mit Texta assoziiert wird.
Gegen halb 12 betraten dann die Ex-Freisinger
Blumentopf die Bühne am Vöttinger Weiher. Nachdem sie dieses Jahr besonders mit ihrem neuen Album und den Raportagen zur WM für Begeisterung sorgten, statteten sie dem Freisinger Publikum mal wieder einen Besuch ab. Unterstützt durch die live-Band entsteht ein einzigartiges Live-Erlebnis, das man sonst selten in dieser Form zu sehen bekommt. Für einen weiteren Showeffekt sorgte der Aufruf der Band, die leeren Pfandbecher zugunsten eines Sozialprojekts auf die Bühne zu werfen.. auf jeden Fall sehenswert! Da war der Platz auch endlich mal so voll wie es sich für ein Festival wie das PLUS gehört, und alle Strapazen der letzten Tage waren plötzlich vergessen. Unangefochten der krönende Abschluss eines Wochenendes, bei dem trotz miesen Rahmenbedingungen die positive Erinnerung an ein einzigartiges Festival überwiegt.
Text von m|A|tthi|A|s