Anfangs ziemlich viel Regen, gefolgt von Schauern, zwischendurch andauernde Niederschläge und gegen Ende überraschenderweise wieder Regen, so in etwa lässt sich der erste Tag des Prima Leben und Stereo Festivals 2010 zusammenfassen.
Als ob die letzten 48 verregneten Stunden noch nicht gereicht hätten um das Gelände in das reinste Schlammparadies zu verwandeln, wurde das PLUS auch den ganzen Abend über nicht vom schlechten Wetter verschont. Die Besucher nahmen‘s mit Gelassenheit und so gab es kaum jemanden, der nicht mit Gummistiefel und voller Regenmontur am Gelände aufkreuzte. Gäbe es bei diesem Festival einen Preis für das originellste Allwetterkostüm, hätten sich viele der Besucher definitiv hohe Titelchancen ausrechnen können. Doch weil es nicht um einen Modepreis, sondern um die Musik geht, feierte die Menge zwischen Regenschirmen und Plastiksäcken zum Sound der Bands.
Nachdem ab 15 Uhr bereits die Rosenheimer Newcomer
Kleinmeister die Bühne rockten, ging es mit
Mexican Elvis und
Pillow Fight Club relaxed rein ins Abendprogramm. Um ca. 19 Uhr dann ein denkwürdiger letzter Auftritt von
Virginia Jetzt!, welche im Mai nach elf Bühnenjahren ihren Abschied von den Bühnen dieser Welt bekundet hatten und derzeit ihre Abschiedstour bestreiten. Mit ihnen verlässt eine bekannte Größe der Indie-Pop-Szene das Geschäft, die sicher vielen Fans in guter Erinnerung bleiben wird.
Energiegeladen ging es dann weiter mit
Ja, Panik, welche mit einem Mix aus Indie, Rock und NDW-Elementen versuchten, das PLUS-Festival den Regen vergessen zu lassen. Dass sie textlich durchaus Geschick beweisen, ist nicht nur bei genauem Zuhören, sondern spätestens durch die Namensgebung ihres neu gegründeten Labels „Nein, Gelassenheit“ zu erkennen. Auch FM4 stellte treffend fest: „In gewisser Weise haben Ja, Panik gar nichts Besonderes zu sagen, aber das sagen sie verdammt gut“.
Nach einer etwas lang gestalteten Umbaupause betraten schließlich
Die Sterne die Bühne. Die als einer der bekanntesten Vertreter der Hamburger Schule geltende Band schien sich gedanklich schon auf verregnete Schlammfestivals wie diese eingestellt zu haben, also sie die Texte zu Songs wie „Aber Andererseits“ und „Wie ein Schwein“ schrieb. „Ich bin nicht sauber, ich muss mich waschen, ihr glaubt ja nicht was alles an mir klebt“ schallte es einem von der Bühne entgegen... passender geht’s wirklich nicht. Und trotz einem sichtlich kranken Bassisten Thomas Wenzel lieferten die Sterne eine fulminante Show ab, für mich eindeutig das Highlight des Abends.
Zu guter Letzt erwiesen sich die legendären
Fehlfarben die Ehre und zeigten, dass die Ex-Punks, die die deutsche Musikgeschichte bedeutend mitgeprägt haben, auch heute noch bewundernswerte live-Präsenz besitzen. Eine Band mit Frontmann Peter Hein, die schon nahezu jedes erdenkliche Genre ausprobiert hat, weiß einfach was es heißt, ein Festival wie das Prima Leben und Stereo zu bespielen.
So klang ein durchregneter Festivaltag auf matschigem Boden aus, an dem das aus den letzten Jahren zu erwartende Besuchermaximum sicherlich noch nicht erreicht wurde. Als kleiner Motivationsschub für alle Zuhausegebliebenen, denen das Wetter gestern noch als Alibi diente sei folgendes Zitat von wetter.de genannt:
„Am Ende des Tages werden es in Freising 18 °C. Der Himmel ist leicht bewölkt, die Sonne ist häufig zu sehen. Dabei bleibt es trocken.“
Das hört sich doch vielversprechend an, zumal sich das Line-Up auf jeden Fall sehen lassen kann.
Und wenn wir gerade bei Wetterempfehlungen sind: „Suchen Sie sich für 20:41 Uhr ein schönes Plätzchen und bewundern Sie den Sonnenuntergang“. Macht sich am Vöttinger Weiher sicher besonders gut, also rein in die Gummistiefel und auf zum PLUS.
Text von m|A|tthi|A|s