Wenn es an diesem Abend nach den Veranstaltern gegangen wäre, dann wäre momentan die Zeit der Herbststürme und des Laubes das langsam von den Bäumen fällt. Petrus sah das aber anders und schickte uns ja bereits vor einigen Tagen den ersten Schnee - nichts desto trotz, sollte es an diesem Abend heiß hergehen, bei der zweiten Auflage des
Thrashing The Fall im Freisinger Jugendzentrum, bei welchem das letzte Laub von den Bäumen rund ums Juz heruntergedroschen werden sollte. Dafür sorgte auch die schwermetallische Ladung an Bands, die im Juz gestrandet war:
Alovenera,
Terrorgod,
My Cold Embrace und
Rapture.

Den Anfang machten
Alovenera, die Band mit einem der wohl variantenreichsten Namen momentan im Landkreis. So schwer zu merken der Name für viele auch zu sein scheint, umso eingängiger ist auf den ersten Blick die Musik, welche die junge Band um Shouter Flo zu bieten hat: Hardcore, wie er momentan von einigen Bands praktiziert wird und in so manchen Schuppen hoch und runter gespielt wird. Aber so ganz mag das auf Alovenera nicht zutreffen, denn es gab doch hier und da ein paar interessante wenn auch kleine Einsprengsel aus anderen Musikrichtungen, die mehr atmosphärisch zugange gehen - auch wenns insgesamt noch ein bisschen an den Übergängen gehapert hat. Aber die Band ist ja noch jung und von daher darf man doch gespannt sein, welche die Richtung die Band in ihrer weiteren Entwicklung einschlagen wird - noch ist ja aller Tage Anfang.

Etwas länger im Geschäft sind dagegen
Terrorgod, die im Vorfeld für Banner of Wrath eingesprungen sind, die mit der Terminverlegung des Konzerts keine Zeit mehr hatten. Geboten wurde dem Publikum von der Band aus der Ecke um Miesbach eine deftige Mischung auf Thrash- und Deathmetal mit einer ordentlichen Prise Tool'schem Progressive Metal, die manchmal sehr auffällig zu Tage trat. Das mag so manchen Banger im Publikum überzeugt haben und so konnte die Band einen durchaus gelungenen Gig abfeiern, der mich auch mehr überzeugt hat als der vor einigen Monaten in Holzkirchen, als ich die Band schonmal live sehen konnte.

Eine richtige Walze kam dann mit
My Cold Embrace daher - die aus Kassel angereisten Deather sorgten für ordentlich Radau im Juz. Auch wenn die Band mit dem kürzlich erfolgten Sängerwechsel einen Charakterkopf verloren hat - mit dem neuen Sänger Dennis haben die Kasseler einen mehr als ebenbürtigen Ersatz gefunden, der es geschickt wusste, die Show der Band anzuführen. Die schlug auch beim Publikum ein wie eine Bombe und so war die Show sowohl für die enorm abgehende Band wie auch fürs das Publikum enorm schweißtreibend. Da freut man sich schon auf die nächste Begegnung bzw. eiskalte Umarmung !

Den finalen Abschluss lieferten dann die abgedrehten Metaller von
Rapture ab. Trve wie der Ziegenbart von Satan rockte sich die Band durch ihr Set und zeigte, dass der wahre Hammer of Untrveness immer noch in Freising, äh, München oder irgendwo dazwischen hängt. Mit Dampfhammerattacken wie Body Shop, Napalm Mind oder Hotel Paradise ballerte sich der verrückte 5er um Sänger und Rapture-Chef Christian munter auch in metalfremden Gefilden wütend durchs Juz und sorgte mit dieser Mischung bei so manchem Fan für anhaltende Genickschmerzen, auch wenn sich die Reihen - vergleichsweise juztypisch - so gegen Ende des Auftritts schon wieder lichteten.
Genickschmerzen, wo wir schon dabei sind - denn wo Lichter sind, sind leider auch zu häufig Schatten. Und auch wenns vielleicht keine Genickschmerzen waren, so warens doch ordentliche Kopfschmerzen, welche leider einige Besucher sowohl den Veranstaltern wie auch sich selber beschert haben. Es ist leider für die Jugendkultur hier im Landkreis bei allem Verständnis für die rebellische Phase wirklich wenig förderlich, wenn auf dem Gelände rund ums Juz Radau gemacht und im Vorfeld Alkohol in solchen Mengen konsumiert wird, dass für manche Besucher schon vor dem Beginn der Konzerte die Lichter ausgehen. Zudem lassen sich Meinungsverschiedenheiten auch friedfertig lösen und Bands wollen - auch wenn sie harte Musik zu spielen pflegen - aggressiven Verhaltensweisen bestimmt keine Plattform bieten, im Gegenteil. Und für das Juz-Team ist es auch keine Freude, euch in die Schranken weisen zu müssen, um die Kontrolle über die Situation zu behalten. Und ihrem beherzten Einschreiten in allen Belangen ist zu verdanken, dass der Abend dennoch gut über die Bühne lief.
Viele Besucher werden sich durch diese Worte sicherlich nicht angesprochen fühlen müssen, einige andere dagegen schon und daher für die Zukunft ein Bitte - denkt bei euren Aktionen aller Art im und vor dem Juz daran, dass diese nicht bei allen gut ankommen und gegebenenfalls auch Konsequenzen haben könnten: für euch, für das Juz und die Konzertkultur in Freising. Denn letztere hat in meinen Augen vor allem durch das Engagement von Birgit und ihrem Team diesen (im Vergleich zu anderen Städten enormen) Aktivititätsgrad erreicht, weil eben hier junge Bands mit geringem Risiko ihre ersten Schritte auf der Bühne wagen können und ältere Bands spielen auch immer wieder gerne dort, weil man dort viel Spaß haben kann. Und das zu gefährden, das wäre doch für alle Beteiligten schade, oder ? Also in Zukunft ein bisschen mehr Rücksicht, dann haben alle mehr davon !
Text von Schneidermeister