Flowers and Razorblades IV - oder die Frage danach, was kleine gelben Unterhosen auf Bühnen zu suchen haben und was unter einer kuscheligen Wall Of Life zu verstehen ist.
Doch ganz von Anfang an. Einmal mehr haben die Chaos-Metaller von Rapture zu einem fröhlichen Frühlingsreigen im Zeichen der blühenden Blumen und messerscharfen Rasierklingen gerufen - letztere gab es aber nicht in Form jener gefährlichen Metallscheibchen, sondern in Form messerscharfer Riffs und gefühlvoll geshouteten Gesangslinien

Diese brachiale Mischung gabs diesen Abend gleich in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen, so war Progressiver Metal mit
The Abandoned Door vertreten, ergänzt von einer saftigen Old-School-Hardcore/Metal-Mischung von
Shattered Remains aus Nürnberg, abgeschmeckt mit den blutjungen Old-School-Deathern von
Apoplexy und gekrönt mit den bereits erwähnten Münchner Metalmatadoren von
Rapture, um dem etwa 160 Köpfe zählenden Publikum saftig einzuheizen.

Den Anfang machte
The Abandoned Door, die doch eine recht belebte Vergangenheit hinter sich haben, und unter verschiedenen Namen und Richtungen bereits hier und da erste Bühnenluft geschnuppert haben. Doch mittlerweile ist genug mit den Umbesetzungen, so hat die Band endlich ihren festen Bassisten gefunden und auch die Richtung mit der sie in Zukunft in Erscheinung treten werden - so finden sich im Set Songs mit deutlich progressivem Anspruch und einer guten metallischen Würzung. Vertrackte Taktwechsel, das auf und ab von Laut und Leise, donnernde, schwermetallische Riffs versus zarte Melodien, ausladende Soli und der tiefe Shoutinggesang von Sänger und Leadgitarristen Raphi verleihen The Abandoned Door eine hier im Landkreis einzigartige Note - die auch einige ältere Konzertbesucher ins Juz lockte. Und wer sich vielleicht im Vorfeld die Songs auf der Homepage angehört hat, mag live sehr positiv überrascht worden sein, so spiegeln die MP3s auf der Seite nicht wirklich wider, was man live geboten bekommt, auch wenn sich noch der ein oder andere - aber entschuldbare - Timingdrift eingeschlichen hatte. Lag vielleicht auch an der ein oder anderen Unterwäsche in Form von gelben und weißen Unterhosen, welche ihren Weg auf die Bühne fand. Hut ab Jungs, macht weiter so !

Oldschooliger wurde es dann mit
Shattered Remains aus Nürnberg, die eine Reihe Fans mitgebracht hatten,welche aber nicht lange der Band ihre Aufmerksamkeit zuwendeten. Denn die Mischung aus Hardcore und Old-Schooligem Metal, welche unter anderem Anleihen bei Acts wie Sepultura genommen hat (und das lag nicht nur an der Kopfmatte von Sänger Raphi, ja der zweite Raphi an diesem Abend), wusste innerhalb kürzester Zeit die Kräfte im Juz für sich zu gewinnen und so fanden sich schon nach 3 Songs die gesammelte Besucherschaft im vorderen Bereich zum gepflegten Mattenausschütteln ein. Sehr beeindruckend, aber nicht verwunderlich, in Anbetracht der schnörkellosen, aber hemmungslos wie Nachbars Lumpi groovenden Songs: wer da stillhalten konnte, war vermutlich taub oder völlig immun. Abschließend bleibt zu sagen - Pluspunkt eingesammelt, Bude ordentlich gerockt und gezeigt, dass es auch noch ordentlichen Hardcore-Sound gibt, der nicht gleich in die mittlerweile schon etwas abgegriffenen Metalcore-Gefilde abrutschen muss. Sauber !

Technical Rider nennt man im Fachjargon eine Aufstellung der technischen und kulinarischen Versorgung, welche eine Band für einen gelungenen Abend gerne haben würde - den hat die folgende Band -
Apoplexy - vielleicht noch nicht geschrieben, aber technisch, das sollte es auf jeden Fall werden. Denn technisch messerscharf kalkulierter und gespielter Deathmetal schallte dem Publikum aus den Boxen entgegen, und Dank Mischer Eric diesmal auch richtig fett, trotz der im Vergleich zu den anderen Bands kleinen Combos, durch welche die 2 Gitarrieros ihre Riffs jagen. Wo der Bassist geblieben ist, das weiß nur die Band, hat sie ja vor einiger Zeit angekündigt, dass sie bald Verstärkung am Tieftöner haben würde, der aber auch an diesem Abend nicht am Start war. Nichtsdestotrotz - die Band hat einmal mehr bewiesen, dass hier - trotz des jungen Alters - definitiv Techniker am Werk sind, die mit jedem Mal besser und besser zu Gange gehen. Jetzt noch einen Bassisten an den Start bringen und vielleicht ein Quentchen mehr Abwechslung im Gesang und es kann aufwärts gehen - die Grundlagen sind ja bereits mehr als ausreichend gelegt.

Für das letzte Quentchen Chaos an diesem Abend sollten dann die abgedrehten Münchner von
Rapture sorgen - eine Band, die schon seit geraumer Zeit Hörer von die Oma verschreckender Musik im Landkreis in ihren Bann zieht und auf eine stolze Bandgeschichte zurückblicken kann. Und dass sie nicht zu Unrecht für volles Haus und tropfnasse Kopfmatten sorgt, dass wurde an diesem Abend vor vollem Haus zur Schau gestellt. Abgedrehte Riffs, die auch gerne mal schräge Anleihen aus ganz anderen Genres nehmen, ums sich dann stakkatoartig ins Hirn zu bohren oder bedrohlich und doomig wie eine Tsunami heranzurollen - dafür stehen Rapture mit ihrem Namen. Dabei ist die Band auch herrlich anders und spielt bewusst mit gängigen Klischees und wagt, diese auch gerne mal mit einem Augenzwinkern musikalisch oder auch in der Show aufs Korn zu nehmen, beispielsweise mit einer "Wall Of Life". Was das ist ? Tja - wer also auch mal in den Genuss der Rapture'schen Interpretation der Wall Of Death kommen möchte, der sei hiermit aufgefordert, beim nächsten Konzert zu erscheinen, wenn die abgedrehte Combo mal wieder in Freising zu Gast ist.
Text von Schneidermeister