Wer beim Theatron Sommerfestival dabei sein will, muss einige Hürden nehmen. Denn wenn man nicht gerade das Glück hat, von den Organisatoren des Festivals direkt gebucht zu werden, bleibt jungen Bands oft noch die Chance, über einen Bandwettbewerb an einen umkämpften Spielplatz an der sympathischen Seebühne zu kommen.
Einer dieser Wettbewerbe ist der "Running 4 The Best". Die erste von mehreren Vorentscheidungen lief am vergangenen Freitag über die Bühne - mit dabei die folgenden 4 Bands:
Evoke (aus Gräfelfing),
San Verge (aus Haar),
Vaccine (aus München) und
Dryads Tree (aus Otterfing).
Für den lockeren Eintritt von 4 Euro konnte man dann das gemütliche Juz in Garching betreten, zusammen mit einem grünen Stimmzettel, auf dem nach Ende des Contest das Publikum ihre persönliche Wertung eintragen sollte, um das ganze dann in der Wahlurne zu versenken.
Doch vor der Abstimmung müssen natürlich noch die Bands spielen, ganz klar, sonst wärs ja kein Wettbewerb. In diesem Sinne machte den Anfang die junge Band
Evoke aus Gräfelfing. Die 4 Jungens (Männer warens noch nicht, dafür waren sie mit ihrem Altersschnitt schätzungsweise um die 15/16 Jahren doch noch etwas zu jung

) lieferten dabei ein schneidiges Brett ab, vor allem für ihr Alter. Fetzende Deathmetalriffs mit Blastbeat-Einlagen, dazu die energiegeladene Perfomance des Oberkörper-frei performenden Sängers, das war die Mischung die die Band ins Schwitzen und das Publikum zum Headbangen brachte. Und auch wenn das ein oder andere Soli hier und da etwas ungeschliffen war, so machte die Band eins : Stimmung. Denn das Klima im Juz war am Ende des Auftritts schon mal ordentlich dampfig, bei dem Enthusiasmus, den die Band an den Tag legte, kein Wunder.
Nachdem sich einige Gäste schonmal an der Theke erfrischt und die nächste Band ihren Sound gecheckt hatte, waren dann die Gäste aus Haar dran, aber - Gott sei Dank - ohne Begleitung verdächtiger Männer in weißen Turnschuhen. Denn nun gab sich die Band
San Verge die Ehre. Was geboten war, war eine heitere Mischung aus Iron-Maiden-inspirierten härteren Songs und auch der ein oder anderen treibenden, aber im Vergleich zum anderen etwas softer wirkenden Punkrockeinlagen im Stile diverser US-Mainstream-Punkrockbands. Das Instrumentale war sehr solide und professionell, einzig der Gesang hätte vielleicht eine Spur mehr Ausdruck vertragen können. Auf jeden Fall wars eine Mixtur, die beim Publikum offensichtlich sehr gut ankam - die Bude war voll und die Stimmung ebenso gut.
Von etwas poppigeren Klägen hin zu schwerverdaulichem, so in etwas könnte man den Gegensatz zur nächsten Band beschreiben -
Dryads Tree aus Otterfing. Wer Meshuggah oder andere abgedrehtere Progressive Metal-Bands mag, dürfte an Dryads Tree gefallen finden. Denn geboten war technisch versierter, progressiver Metal, dem es an nichts fehlte, was in dem Genre üblich ist - lange Songstrukturen, technisch ausgereifte Soloeinlagen zweier Gitarristen, solide und melodische Bassarbeit und ein ordenliches Brett an Schlagzeug. Und so holzte sich die Band schwer verzerrt und ordentlich groovend durch die Gehörgänge der Zuhörer, unterbrochen durch eine Akustikeinlage an zweiter Stelle im Set. Fans von progressiven Metal sollten sich Termine mit dieser Band im Lineup durchaus mal überlegen, es könnte sich durchaus lohnen !
Vier Bands im Lineup, drei Bands gespielt - es wird Zeit für die letzte Band. Diesen Slot füllten
Vaccine aus München aus. Manchem Freisinger könnte die Band noch bekannt sein, waren sie doch Anfang 2005 im Abseits zusammen mit Mahayana auf der Bühne, als diese ihren letzten Gig spielten. Diesmal waren Vaccine jedoch angetreten um erneut mal wieder im Theatron zu spielen, was ja 2005 bereits der Fall gewesen war. So präsentierte die Band motiviert ihr Material, welches zwischen Melancholie und Wut schwankend, mit einer erfrischenden Laut/Leise-Dynamik und einer hervorragenden Gesangsleistung von Sänger Jonathan, Fans von Bands wie Radiohead zu begeistern weiß. Leider war dieser Ansatz dem Publikum im Garchinger Juz an dem Abend zu ruhig oder vielleicht auch ne Spur zu experimentell, denn der Saal war gefüllt, aber nicht so voll wie bei den vorherigen Bands - für manche jüngere Besucher ist wohl das moshen Hauptbestandteil des Konzerterlebnisses und das ist bei dieser Band natürlich schwer möglich. Und obwohl das Set ein paar intensive, aber pianolastige Stücke mangels Keyboard entbehrte - ein gelungener Auftritt wars auch mit dem gitarrenlastigeren Material auf jeden Fall und es bleibt interessant, was aus dieser ambitionierten Band noch wird!
Nach dem Ende des Auftritts von Vaccine war dann die Zeit gekommen - die Besucher gaben ihre Stimmen ab, die Leute gingen an die frische Luft, versorgten sich mit Getränken oder hockten sich auf ein Gespräch zusammen, bis dann nach etwa ner halben Stunde alle Stimmen abgegeben und auch ausgezählt waren.
Die glücklichen Gewinner und Publikumsliebling des Abends war am Ende dann die zweite Band des Contests,
San Verge und ist somit eine Runde weiter. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle und viel Erfolg weiterhin und der vollste Respekt an die anderen Bands, die ebenfalls ihr bestes gegeben haben, denn die Entscheidung war auf jeden Fall hart umkämpft gewesen.
Text von Schneidermeister